Theaterdaten 1750–1918

von Paul S. Ulrichs Sammlung aus deutschsprachigen

Theater-Almanachen und -Journalen

Abbildung Adolphi-Theater, London 1859

Theaterdaten 1750–1918

von Paul S. Ulrichs Sammlung aus deutschsprachigen

Theater-Almanachen und -Journalen

Titelblätter von Quellen

Theaterdaten 1750–1918

von Paul S. Ulrichs Sammlung aus deutschsprachigen

Theater-Almanachen und -Journalen

Abbildungen aus den Quellen

About

Über das Projekt und die Online-Plattform – Preview

Der Theatrograph bietet Einblicke in die Praxis des deutschsprachigen Theaters (1750–1918) und seiner Akteur*innen und ist ein neues Werkzeug für die theater- und musikhistorische Forschung. Basierend auf den jahrzehntelangen Arbeiten des Berliner Bibliographen und Theaterhistorikers Paul S. Ulrich werden Daten aus über 7.000 Theater-Almanachen und -Journalen in einem semantischen Wissensgraphen zusammengeführt, der historische Informationen vernetzt und sichtbar macht.

Diese Quellen dokumentieren das Theaterleben jener Zeit und enthalten Informationen zu Theatergesellschaften, Personal, Spielplänen, Spielstätten und den gesellschaftlichen wie kulturellen Rahmenbedingungen. Die Plattform verknüpft die Metadaten zu Personen, ihren Rollen, Orten, Aufführungen und Zeiträumen in einem semantischen Netzwerk.

Durch die Nutzung moderner Technologien und Standards wie CIDOC CRM und die Verknüpfung mit Normdaten wie der Gemeinsamen Normdatei (GND) entsteht ein Wissensgraph, der historische Informationen miteinander in Beziehung setzt und die komplexen Verflechtungen des Theaters visualisiert.

Die Plattform wird vom Don Juan Archiv Wien auf Basis der Daten von Paul S. Ulrich erstellt und befindet sich aktuell in der Entwicklungsphase; erste Einblicke sind jedoch im Rahmen des vorliegenden Preview bereits möglich. Ziel ist es, die Daten offen und nachhaltig bereitzustellen, um nicht nur der Forschungsgemeinschaft, sondern auch interessierten Laien Zugang zu diesem wertvollen Kulturgut zu ermöglichen. Neben klassischer Suchfunktion soll der Theatrograph graphenbasierte Darstellungen, Zeitstrahlen und Kartenansichten bieten, die Zusammenhänge und Muster aufzeigen lassen.

Paul S. Ulrich

Paul S. Ulrich (1944–2023) war Bibliothekar der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Vorsitzender der Gesellschaft für Theatergeschichte und ein Pionier in der Erschließung theaterhistorischer Quellen. Sein „Biographisches Verzeichnis für Theater-, Tanz und Musik. Fundstellennachweis aus deutschsprachigen Nachschlagewerken und Jahrbüchern“ ist ein Standardwerk und wird bis heute in der Forschung intensiv genutzt. Informationen zu gut 80.000 Personen wurden in die Gemeinsame Normdatei eingespielt. Ulrichs umfangreiche Sammlung von Theater-Almanachen und -Journalen und die dazugehörige relationale Datenbank bilden die Basis des Theatrograph. Mit der Übergabe seiner Sammlung und Datenbank ans Don Juan Archiv Wien schuf er die Basis für das Theatrograph-Projekt.

Portrait Paul S. Ulrich

Don Juan Archiv Wien

Das Don Juan Archiv Wien ist ein privates Forschungsinstitut für Theater- und Kulturgeschichte, das einen besonderen Schwerpunkt auf die Geschichte des Don-Juan-Stoffes und der Opern- und Theatergeschichte bis ins 19. Jahrhundert setzt. Gegründet von H. E. Weidinger und Teil der Hollitzer Firmengruppe, kombiniert das Archiv wissenschaftliche Expertise mit der Sicherung und Digitalisierung historischer Quellen. Neben seinen Kernbereichen Bibliographie, Digitalisierung, Topographie und Repertoireforschung engagiert sich das Don Juan Archiv Wien in internationalen Projekten, die kulturelle Transfers und theaterhistorische Kontexte untersuchen. Im Rahmen des Theatrograph bringt das Don Juan Archiv seine Expertise in der Digitalisierung und Datenmodellierung ein und trägt damit zur nachhaltigen Nutzung dieser einzigartigen Daten bei.

Foto Don Juan Archiv Wien Eingangsbereich

Sources

Materialien und ihre Erschließung

Die Basis des Theatrograph bildet die umfangreiche Sammlung von Paul S. Ulrich. Über 40 Jahre hinweg hat der Berliner Bibliograph mehr als 7.000 Theater-Journale und rund 350 Theater-Almanache aus der Zeit von 1750 bis 1918 nachgewiesen, gesammelt und systematisch erschlossen. Diese Quellen bieten einzigartige Einblicke in die deutschsprachige Theatergeschichte: Sie dokumentieren die Zusammensetzung von Theatergesellschaften, Spielpläne, Repertoires sowie technische Details von Spielstätten.

Universale Theater-Almanache verzeichnen jeweils mehrere Theatergesellschaften und ihr Personal in über 3.600 Orten. Ab 1836 wurden diese Informationen regelmäßig an Redaktionen übermittelt, die Almanache wurden überregional vertrieben und ermöglichen eine umfassende Perspektive auf die Theaterlandschaft.

Lokale Theater-Journale, häufig von Souffleur*innen herausgegeben, bieten einen Rückblick auf die vergangene Spielzeit einer Theatergesellschaft oder eines Theaters. Sie wurden an ein lokales Publikum verkauft, enthalten detaillierte Spielpläne und sind oft die einzige Quelle zu künstlerischem, technischem und administrativem Personal.

Paul S. Ulrich hat die von ihm aufgestöberten Theater-Almanache und Theater-Journale tief erschlossen und aus den Informationen eine Datenbank aufgebaut, die neben bibliographischen auch inhaltliche Daten umfasst. Patrick Aprent ergänzte die Datenbank durch die Georeferenzierung der Orte, was eine präzisere geografische Analyse ermöglicht. Diese Datenbank bildet die Grundlage des Theatrograph: eine Zusammenarbeit mit dem Don Juan Archiv Wien. In dieser Zusammenarbeit wurde auch die Sammlung von Paul S. Ulrich – bestehend aus etwa 4.300 Reproduktionen (Scans, Mikrofilme, Kopien) sowie 100 Originalen – digitalisiert.

Foto Digitalisierung

Data

Datenmodellierung

Die Daten der Plattform sind nach internationalen Standards modelliert, um eine nachhaltige und interoperable Struktur zu gewährleisten.

Im Zentrum steht das CIDOC Conceptual Reference Model (CRM), ein Standard, der ursprünglich im Museumsbereich entwickelt wurde. Dieses Modell bietet die grundlegenden Klassen und Beziehungen, um historische Daten präzise zu erfassen und miteinander zu vernetzen.

Erweiterungen wie das LRM object-oriented (LRMOO) erlauben die Integration bibliographischer Daten, einschließlich detaillierter Informationen zu Werken, Aufführungen und Publikationen. Besonderheiten wie das Argumentationsmodell CRMinf erlauben die Dokumentation von Unsicherheiten und Schlussfolgerungen in den Daten, während der Thesaurus-Standard SKOS die Verbindung zu anderen Ontologien und Thesauri, wie der GND oder Wikidata, ermöglicht. Dies macht die Plattform zu einem zentralen Knotenpunkt für semantisch vernetzte Kulturdaten, die sowohl für Menschen als auch für Maschinen zugänglich sind.

Grafik CIDOC CRM - LRMoo

Produkte der Kooperation

Die Kooperation zwischen Paul S. Ulrich und dem Don Juan Archiv Wien hat bedeutende Produkte hervorgebracht, die die Forschung zum deutschsprachigen Theater maßgeblich bereichern:

OPAC: Über die Plattform www.theaterjournale.at können Theater-Almanache und -Journale aus den Beständen von mehr als 360 Bibliotheken, Archiven und Sammlungen weltweit institutionsübergreifend recherchiert werden. Verknüpfungen zu digitalen Reproduktionen der besitzenden Einrichtungen erlauben ortsunabhängig einen direkten Zugang zu den Quellen.

Digitales Archiv: Das digitale Archiv umfasst gut 4.300 elektronische Reproduktionen von Theaterjournalen und -almanachen, die aus der Sammlung Paul S. Ulrichs stammen. Die elektronischen Kopien können im Don Juan Archiv Wien eingesehen werden.

Die gedruckte Reihe „Topographie und Repertoire des Theaters“ (Hollitzer Verlag Wien) bietet thematische Zugänge zu den erschlossenen Daten aus und zu den Theater-Almanachen und -Journalen und ermöglicht eine chronologische, topographische und biographische Perspektive. Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für die theater- und musikhistorische Forschung.